Stand: 1. Oktober 2026 · Snustrend Redaktion · Lesezeit ca. 6 Minuten

Kurz gesagt: Die EU-Finanzminister wollen am 9. Oktober 2026 eine politische Einigung zur neuen Tabaksteuerrichtlinie erzielen. Erstmals sollen EU-weite Mindeststeuern auf Nicotine Pouches (Vorschlag: 143 Euro pro Kilo oder 50 % des Verkaufspreises) und E-Liquids (0.12 bis 0.36 Euro pro ml) gelten. Weil alle 27 Staaten zustimmen müssen und Schweden die Pouch-Steuer ablehnt, ist der Ausgang offen. In Kraft treten würden die Sätze frühestens 2028. Die Schweiz ist nicht direkt betroffen.

Worum geht es bei der EU-Tabaksteuer?

Die EU besteuert Tabak nach der Tabaksteuerrichtlinie 2011/64/EU. Sie ist 15 Jahre alt und kennt neue Produkte wie Nicotine Pouches oder E-Zigaretten gar nicht. Jedes Land besteuert diese Produkte deshalb nach eigenen Regeln oder gar nicht. Die EU-Kommission hat im Juli 2025 eine Neufassung vorgeschlagen. Sie verfolgt drei Ziele:

  • höhere Mindeststeuern auf Zigaretten und Feinschnitt
  • erstmals Mindeststeuern auf E-Liquids, Tabakerhitzer und Nicotine Pouches
  • kleinere Steuerunterschiede zwischen den Ländern, damit weniger Einkaufstourismus und Schmuggel entsteht

Welche Mindeststeuern schlägt die EU vor?

Die folgenden Sätze stammen aus dem Vorschlag der EU-Kommission vom 16. Juli 2025. Es gilt jeweils der höhere der beiden Werte.

Produkt Vorgeschlagene Mindeststeuer
Nicotine Pouches 143 € pro kg oder 50 % des Verkaufspreises
E-Liquids bis 15 mg/ml Nikotin 0.12 € pro ml oder 20 % des Verkaufspreises
E-Liquids über 15 mg/ml Nikotin 0.36 € pro ml oder 40 % des Verkaufspreises
Tabakerhitzer (z. B. Sticks) 55 % des Verkaufspreises oder 108 € pro 1000 Stück
Zigaretten 215 € pro 1000 Stück und 63 % des Durchschnittspreises

Was heisst das für eine Dose? Eine typische Dose Nicotine Pouches wiegt rund 10 bis 16 Gramm. Bei 143 € pro kg wären das etwa 1.40 bis 2.30 € Steuer pro Dose, sofern nicht die 50-%-Regel höher liegt. Für Liquids mit Nikotinsalz (meist 20 mg/ml) gälte der höhere Satz von 0.36 € pro ml.

Warum ist der 9. Oktober 2026 wichtig?

Steuerfragen entscheidet in der EU der Rat der Finanzminister (ECOFIN), und zwar einstimmig. Ein erster Kompromiss der zyprischen Ratspräsidentschaft kam im Juni 2026 nicht durch. Die irische Präsidentschaft will nun am 9. Oktober eine politische Einigung erreichen.

Die Streitpunkte:

  • Schweden lehnt eine hohe Steuer auf Nicotine Pouches ab. Dort sind Snus und Pouches weit verbreitet und gelten politisch als Rauchstopp-Hilfe.
  • Andere Länder wollen höhere Sätze aus Gründen des Gesundheitsschutzes.
  • Umstritten ist auch, wie viel Spielraum die Länder behalten und wie lang die Übergangsfristen sind.

Wenn ein Land Nein sagt, bleibt alles beim Alten. Ein abgeschwächter Kompromiss mit tieferen Sätzen und längeren Fristen gilt als wahrscheinlicher als der ursprüngliche Vorschlag.

Ab wann würden die neuen Steuern gelten?

Laut Vorschlag frühestens 2028. Für die neuen Produktgruppen ist eine Übergangsfrist von vier Jahren vorgesehen: Nach zwei Jahren müssten die Länder mindestens die Hälfte des Mindestsatzes erheben, nach vier Jahren den vollen Satz. Bis Konsumentinnen und Konsumenten in der EU den vollen Effekt an der Kasse spüren, dürfte es also 2030 bis 2032 werden.

Was bedeutet das für die Schweiz?

Die Schweiz ist nicht EU-Mitglied und muss die Richtlinie nicht übernehmen. Die Preise bei Schweizer Shops ändern sich durch den EU-Entscheid also nicht direkt. Indirekt gibt es aber drei Effekte:

  1. Politischer Druck: In der Schweiz fordern bereits mehrere Parlamentarier höhere Steuern auf Snus und E-Zigaretten. Ein EU-Entscheid dürfte diese Debatte befeuern.
  2. Grenzgänger und Reisende: Wenn die Preise in Deutschland, Frankreich oder Italien steigen, wird der Preisunterschied zur Schweiz grösser. Beachte, dass Nicotine Pouches in Frankreich seit dem 1. April 2026 verboten sind und in Deutschland nicht regulär verkauft werden dürfen.
  3. Hersteller und Sortiment: Viele Marken (z. B. VELO, ZYN, Siberia) planen ihre Produkte für den europäischen Markt. Höhere EU-Steuern können Formate, Dosengrössen und Preise auch ausserhalb der EU beeinflussen.

Wie werden Nikotinprodukte in der Schweiz heute besteuert?

Laut dem Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG, Stand März 2026) gelten in der Schweiz unter anderem diese Sätze:

Produkt Tabaksteuer Schweiz
Einweg-E-Zigaretten CHF 1.00 pro ml
Liquids für wiederbefüllbare Geräte CHF 0.20 pro ml
Kautabak und Schnupftabak 10 % des Detailverkaufspreises
Zigaretten 11.832 Rp. pro Stück plus 25 % des Preises (mind. 21.21 Rp. pro Stück)

Dazu kommt die Mehrwertsteuer von 8.1 %. Gerade der grosse Unterschied zwischen Einweg (CHF 1.00/ml) und nachfüllbaren Systemen (CHF 0.20/ml) macht Pod-Systeme im Vergleich zu Einweg-Vapes auf Dauer günstiger.

Was solltest du jetzt tun?

  • Nichts überstürzen: Am 9. Oktober fällt höchstens ein politischer Grundsatzentscheid. Die Preise in der Schweiz ändern sich dadurch nicht.
  • Bei Reisen informieren: Wer Pouches nach Frankreich oder Deutschland mitnimmt, sollte die dortigen Regeln kennen.
  • Stärke bewusst wählen: Wer weniger Dosen braucht, spart unabhängig von Steuern. Unser Ratgeber zur Nicotine-Pouch-Stärke in mg hilft bei der Wahl.

Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald das Ergebnis vom 9. Oktober bekannt ist. Einen Überblick über die Schweizer Regeln findest du in unserem Artikel Tabak und Nikotin in der Schweiz: Was 2026 gilt und 2027 geplant ist.

Häufige Fragen (FAQ)

Werden Nicotine Pouches in der EU teurer?

Wahrscheinlich ja, aber nicht sofort. Wenn die EU-Staaten sich einigen, gilt die Mindeststeuer frühestens ab 2028, mit Übergangsfristen bis etwa 2032.

Wie hoch soll die EU-Steuer auf Nicotine Pouches sein?

Die EU-Kommission schlägt mindestens 143 Euro pro Kilogramm oder 50 % des Verkaufspreises vor. Ein Kompromiss mit tieferen Sätzen ist möglich.

Gilt die EU-Tabaksteuer auch in der Schweiz?

Nein. Die Schweiz ist nicht an die EU-Tabaksteuerrichtlinie gebunden. Schweizer Steuern legt das Parlament über das Tabaksteuergesetz fest.

Sind Nicotine Pouches in der Schweiz besteuert?

Das BAZG zählt Nikotinbeutel zu den Ersatzprodukten, nennt aber in seiner Übersicht (Stand März 2026) keinen eigenen Steuersatz. Besteuert sind dagegen E-Zigaretten (CHF 1.00/ml Einweg, CHF 0.20/ml Liquid) sowie Kau- und Schnupftabak (10 %).

Warum kann Schweden die Steuer blockieren?

Weil Steuerbeschlüsse in der EU einstimmig fallen müssen. Jedes Mitgliedsland hat damit faktisch ein Vetorecht.

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient der Information und ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Nikotinprodukte sind nur für Erwachsene ab 18 Jahren. Nikotin macht abhängig.

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